Zinszusatzreserve: Rückflüsse eröffnen Lebensversicherern neue Spielräume
Die Zinszusatzreserve verliert zunehmend ihren Charakter als Belastungsfaktor für Lebensversicherer. Laut einer neuen Assekurata-Studie könnten Rückflüsse aus der Reserve künftig wieder stärker Spielräume für Überschussbeteiligungen schaffen.
Über Jahre galt die Zinszusatzreserve (ZZR) als einer der größten bilanziellen Belastungsfaktoren der deutschen Lebensversicherer. Nun könnte sich ihre Rolle zunehmend verändern. Nach aktuellen Berechnungen der Ratingagentur Assekurata sinkt der Bestand der Reserve spürbar und eröffnet den Unternehmen neue finanzielle Spielräume. Ende des Jahres 2025 lag der branchenweite Bestand der Zinszusatzreserve erstmals wieder unter der Marke von 80 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Noch im Jahr 2021 hatte die Reserve mit rund 96 Milliarden Euro ihren bisherigen Höchststand erreicht.
Auch für die kommenden Jahre erwartet Assekurata weitere Rückflüsse. Bereits im laufenden Bilanzjahr könnte sich der Bestand um rund fünf Milliarden Euro reduzieren. Ab dem Jahr 2027 rechnet die Ratingagentur sogar mit zweistelligen Milliardenbeträgen, die aus der Reserve wieder frei werden könnten. „Die Zinszusatzreserve hat ihren Charakter als Belastungsfaktor verloren und wird zunehmend zum Erfolgspuffer“, erklärt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata. Die Reserve war ursprünglich eingeführt worden, um Lebensversicherer in der langjährigen Niedrigzinsphase bei der Erfüllung ihrer Garantieverpflichtungen zu unterstützen. Versicherer mussten zusätzliche Mittel zurückstellen, um auch bei niedrigen Kapitalmarktzinsen die garantierten Leistungen sicherstellen zu können.
Mit dem gestiegenen Zinsniveau und der damit verbesserten Kapitalanlageperspektive verändert sich nun die Rolle dieser Reserve. Rückflüsse aus der ZZR könnten mittelfristig dazu beitragen, die Überschussbeteiligungen stabil zu halten oder moderat zu erhöhen. Allerdings bleibt das Umfeld für die Branche weiterhin anspruchsvoll. Regulatorische Anforderungen, der Wettbewerb mit kapitalmarktbasierten Anlageformen sowie veränderte Kundenerwartungen stellen traditionelle Lebensversicherungsprodukte weiterhin vor Herausforderungen.
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